Carmen

Opéra-comique in 4 Akten
von Georges Bizet
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KEINE WEITERE WIEDERHOLUNGEN
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Libretto von

Ludovic Halevy - Henri Meilhac

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Musik von

Georges Bizet

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Dauer

3.30 Stunden ungefähr - Intervalle einsch.

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Arena di Verona

Diese Vorstellung fand in Opernsaison 2018 statt. Informationen über das Programm des kommenden Opernfestivals finden Sie unter folgendem Link

 

Das Opernfestival 2018 eröffnete Freitag, den 22. Juni mit Carmen, dem Meisterwerk von Georges Bizet, in einer neuen Inszenierung des berühmten argentinischen Regisseurs Hugo de Ana, der auch Regie, Bühnenbild und Kostüme signiert. De Ana versetzt die Handlung seiner Carmen in die Dreiβiger Jahre des 20. Jahrhundert, also zirka ein Jahrhundert später als im Libretto vorgesehen, in eine historisch bedeutungsvolle Zeit, die das pausenlose Streben der Protagonistin nach Unabhängigkeit und Freiheit unterstreicht. Wie ein Torero wird sie auf der Plaza de Toros bis zum Tode die männliche Arroganz und eine ihr als Zigeunerin feindliche Gesellschaft bekämpfen.

Musikalische Leitung Francesco Ivan Ciampa

Regie, Bühnenbild und Kostüme Hugo de Ana

Choreographie Leda Lojodice

Licht Paolo Mazzon

Projection design Sergio Metalli

Knabenchor A.LI.VE. unter der Leitung von Paolo Facincani

Chordirektor Vito Lombardi

Ballett Koordinator Gaetano Petrosino

Leiter Bühneausstattung Michele Olcese


Neue Inszenierung von Fondazione Arena di Verona

Orchester, Chor, Balletkorps und Techniker der Arena di Verona

1. Akt 50' - Intervall - 2. Akt 43' - Intervall – 3. Akt und 4. Akt 72’

Zuschauer sind eingeladen, weit im Voraus zu kommen, um die Sicherheitskontrollen zu erleichtern.

CARMEN

ANMERKUNGEN ZUR REGIE

von Hugo de Ana

Die Geschichte der Carmen, von Georges Bizet vertont, hat Weniges gemeinsam mit dem Milieu, der Atmosphare und den Emotionen, die Merimee in seiner Novelle aus dem Jahr 1845 beschrieben hatte und an die sich die Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halevy angelehnt hatten.

Zu jenen Zeiten lehnte das Publikum der Pariser Theater Werke ab, deren Protagonisten Zigeuner, Diebe, Zigarrendreherinnen oder Schmuggler waren. Das von Merimee beschriebene, leidenschaftliche, wollustige Spanien wird dank der Musik, den Tanzen und den groβartigen Choren abgedampft, verschonert.

Um die gesamte Erzahlung besser dem Operntheater anzupassen, wird sogar die Figur Micaelas erfunden, die mit ihren positiven Charakterzugen eine Art Gegenaltar zu Carmens Entschiedenheit und Brutalitat darstellt.

Die Musik von „Carmen“ ist reich an Kontrasten. Tschajkowskji selbst hat behauptet “ich kenne nichts, was das Element “le joli” d.h. die Anmutigkeit, besser vertreten konnte,” aber er hat sofort auch das andere Element von Bizets Meisterwerk verstanden, seine echte Dramatik: das Profil des komplexbeladenen Don Jose, seine letzten, flehentlichen Bitten an Carmen, das unheimlich dustere Terzett der Kartenleger, das verworrene, fieberhafte Finale auch die freudigen Augenblicke sind von Vorahnungen gepragt.

Merimee beschreibt uns Carmen in seiner Novelle als vom Teufel besessene, elende Zigeunerin und wenn wir Bizets Musik mit Aufmersamkeit lauschen, konnen auch wir vielleicht dieses Abbild in der Hauptfigur erkennen.

Und von dieser Erkenntnis ausgehend mochte ich mit dieser Inszenierung der Oper beginnen. Mit „Carmen“, einer Frau, die um Freiheit, Gleichheit und das Recht kampft. Welche andere historische Epoche kann die Geschichte dieser Zigeunerin besser erzahlen als der spanische Burgerkrieg in den Dreiβiger Jahren, ein Krieg in dessen Rahmen der Kampf der Frauen zum sozialen Ereignis wird.

Das Abbild der Frau hat von jenem Augenblick an ein neues Ausmaβ angenommen, es hat ihr ermoglicht, „stolz“ zu sein, auf der Seite der Gewinner zu stehen, auch wenn sie fur ihre erkampften Ideale sterben muβte.

Im Jahrzehnt der Zwanziger Jahre verschmilzt alles in der Kunst und die neuen Avantgarden sehen in der revolutionaren Frau eine Gestalt, die in Harmonie auch neben einer traditionellen Frau leben kann. Diese Carmen wird sozusagen beinahe zum laienhaften Wesen, und in ihrem Verwandlungsprozess wird sie zum Symbol der republikanischen Kampfe im Burgerkrieg zwischen 1936 und 1939 aufsteigt.

Diese Figur wird zum Mittelpunkt in allen visuellen Kunsten, ist auch auf den spanischen Briefmarken abgedruckt und es gelingt, sie unter dem Deckmantel der traditionellen Figur bis 1950 auch im Franco-Regime „einzukeilen“.

So lebt diese spanische Carmen weiterhin in einer privilegierten Nische bis sie zum Symbol der spanischen aber auch europaischen Mythologie aufsteigt. Dieser Mythos hat alle reprasentativen Kunste uber das 19. Und 20. Jahrhundert hinaus uberlebt, und zwar trotz der Versuchung, diese Figur im Vergleich zur Wahrheit, die sie verkorpert, zu entmythisieren. Sie verkorpert in der offentlichen Wahrnehmung die positiven Charakterzuge der Spanierin.

In der Tat, aber, verkorpert Carmen immer eine Frau, die Angst einfloβt, denn in ihrem tiefsten Wesen bleibt sie immer eine „Hexe“. Sie ist eine bodenstandige Frau, die mehr als verfuhrt, im Mann Angst hervorruft, denn er will sich mit der wahren Frau als freiem, unternehmenden und einfallsreichen Menschen nicht messen. Diese freiheitsliebende Frau, die nur sich selbst treu ist, wird zum Kennzeichen der spanischen revolutionaren Identitat und identifiziert sich auch mit ihrem Land.

Im romantischen Spanien werden Religion und Laientum zum chaotischen Potpourri; ublicherweise kann ein Soldat in den Darstellungen die Frau auch mit marianischer Frommigkeit anbeten, aber gleichzeitig kann diese

Frau Engel oder Teufel sein, Jungfrau oder Verfuhrerin. In diesem Sinn verkorpert Carmen das Abbild einer Frau als Hexe, die mit ihrer unwiderstehlichen Anziehungskraft die Manner in die Verdammnis fuhrt; ihr Blick mit seiner damonischen Kraft kann den Mann ins Verderben fuhren. Der Blick umhullt ein Spiel von dusteren Riten, die Bestandteil des verfuhrerischen Blicks in allen Darstellungen der spanischen Wesensart sind.

Wenn Merimee Carmen beschreibt, behauptet er: „sie hat drei schwarze Kennzeichen: die Augen, die Augenbrauen und die Wimpern, und drei weiβe: den Glanz ihrer Haut, die Zahne und die Handflache und auch drei rosafarbene: ihre Lippen, ihre Wangen und ihre Fingernagel“. Wir konnen davon ausgehen, dass diese Beschreibung Merimees die Darstellung der Frau als Ausstellungsstuck verkorpert.

In „Carmen“, sei es in der Novelle als auch in der Oper, werden die wesentlichen Mythen des menschlichen Wesens dargestellt, die sich auf irgendeine Weise mit den Geschehnissen der Handlung verflechten: Freiheit als Schicksal, das Tragodie und Tod hervorruft. Der Begriff Freiheit kann mit der Figur Carmens verknupft werden, diese Frau verkorpert ihn am besten, denn Carmen begehrt und sehnt sich nach Freiheit, um zu leben und zu lieben, um sich zu verwirklichen. Zum Unterschied vom fraulichen Urbild der damaligen Zeit ist Carmen eine unabhangige, selbstandige Frau, die ihre Freiheit bis zu ihrem Tod verteidigen wird.

Vom ethnischen Gesichtspunkt ist Carmen eine Zigeunerin, sie gehort einer Ethnie an, die ausschlieβlich in Freiheit und in einem standigen motus vivendi leben kann.

Hier geht es um eine Freiheit, im wahrsten Sinne, die sich der patriarchalischen Gesellschaft und allen gesellschaftlichen Konventionen entgegensetzt, und diese Freiheit ist das Erzeugnis der Gesellschaft des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Carmen wird fur diesen Lebensstil, diese Auffassung mit ihrem Leben zahlen, fur ihre Art und Weise, immer, bis zum Ende, sie selbst zu sein. Dies geht auch klar aus dem letzten Satz in Merimees Novelle hervor, der auch die Essenz von Bizets Oper ist. „Frei will sie sein, frei selbst noch im Tod“.

Mit dem spanischen Burgerkrieg hat sich das Leben der Spanierinnen verandert, sie haben an Selbstandigkeit, Unabhangigkeit und Entscheidungskraft gewonnen. Trotz der harten Lebensbedingungen haben viele Frauen den Burgerkrieg als eine begeisternde und auch ergreifende Erfahrung erlebt dank der sie ihre Kompetenzen und ihr Potenzial innerhalb der Gesellschaft entwickeln konnten, und nicht nur hinter den Frontlinien, sondern auch mit den Waffen in der Hand und im Kampf um ihre Ideale. Die Frauen hatten auch freie Wahl in ihrer Kleidung, so wurde der Arbeiteranzug zum Symbol der Revolution und auch ein Element der weiblichen Emanzipation, denn diese Kleidung machte Frauen und Manner gleich.

Die andere bedeutende Figur erscheint nie, obwohl es die Figur ist, die den wahren Sinn der Tragodie entscheidend beeinflusst. Die Musik beschreibt sie mit jeder Note, sie wird eine zusatzliche Figur, inexistent, die wir aber alle im Leitmotiv „des Schicksals“ erkennen konnen.

Das Schicksal enthullt ihr, dass sie sich dem „fatum“ beugen muss, wenn sie leben will, wie sie wunscht; deshalb nimmt sie ihren Tod hin, ohne zu klagen, denn sie weiss, dass ihr dieses Schicksal bestimmt ist. Sie hat immer schon gewusst, wer ihr Schicksal sein wird, wer sie von sich selbst befreien und ihr den Tod geben wird.

Carmen verkorpert auch die ungezahmte, unfugsame, unbeirrte und verheerende Leidenschaft. Dieser Charakter ist absolut als revolutionar zu bezeichnen, auch als Merimee ihn geschaffen hatte und er von Bizet vertont wurde, denn in der damaligen Gesellschaft waren der Frau in ihrem Leben nur zwei Moglichkeiten gegeben: Ehefrau, Mutter oder Nonne zu sein, oder Prostituierte, als allgemeine Ablehnung der Gesellschaft.

Der Leidenschaft gegenubergestellt wird die Kraft, die Don Jose tyrannisiert und ihn der dominierenden Carmen ausliefert. Don Jose nimmt wahr, dass er beherrscht wird und als Mann vernichtet ist.

Er glaubt, ihr ein neues Leben anderswo anbieten zu konnen und ihr damit die Freiheit zu geben, aber dies entspricht nicht dem wahren Sinne der von Carmen gewunschten Freiheit.

Carmen verkorpert das Chaos und Don Jose die von der Gesellschaft festgelegten Regeln. Als sie anfanglich Don Jose verfuhrt und er sich in sie verliebt, konnte man glauben, dass das Chaos die Regeln besiegt, aber, um die Gesellschaft zu beruhigen, konnen wir hinzufugen, dass im Finale, damit alles wieder in seinen gewohnten Rahmen fallt, mit dem Tode Carmens, die Regeln das Chaos besiegen.

Das Chaos ist Teil des Obskurantismus, der schwarzen Magie der Zauberei, die Carmen anzuwenden weiss und die das Ungewisse mit sich bringt, die schwarze Welt und die Welt, die sie dem Damonhaften und dem Teufel nahert: diese Anspielungen wiederholen sich oftmals wenn Don Jose von Carmen spricht.

Der Triumph des Mythos ist der Triumph der Űberlegenheit der Frau uber die Schwachen des Mannes, der wegen seiner Urinstinkte unterliegt, ohne dass der Verstand die Leidenschaft uberwaltigen kann. Damit wird akzeptiert, dass in dieser Realitat/Vorspiegelung der Oper, die Frau mit ihrem Tode den Mann besiegt. Eigentlich uberlebt Carmen, denn mit ihrem Tod wird sie zum Mythos. Carmen hat die Schwachen des Mannes genutzt, um ihn zu unterjochen und mit ihrem Tode zu triumphieren.

ERSTER AKT

Auf dem Marktplatz in Sevilla, in dessen Hintergrund sich eine Tabakwarenfabrik und die Kaserne der Dragoner erheben, herrscht munteres Treiben. Ein junges Mädchen bahnt sich den Weg durch die Volksmenge, verzagt nähert sich den Wachposten und fragt nach dem Unteroffizier Don José. Er würde bald seinen Dienst antreten, sagt man ihr; die Einladung, die Wartezeit mit den Wachposten zu verbringen, lehnt das Mädchen verschüchtert ab und entfernt sich.

Mit der Wachablösung erscheint die neue Kompanie mit Don José gefolgt von einer Schar von Gassenjungen, die den Marsch der Soldaten nachäffen. Man teilt ihm mit, dass ein junges Mädchen nach ihm gefragt habe und aus der Beschreibung seiner Kameraden erkennt er Micaela, eine Waisin, die seine Mutter in ihrem Haus aufgenommen hat.

Mit dem Glockengeläute richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Tabakarbeiterinnen, die aus der Tabakwarenfabrik strömen. Die Männer stürzen sich auf den Ausgang, um sie aus der Nähe zu bewundern, die Arbeiterinnen amüsieren sich, dass man ihnen den Hof macht. Unter ihnen befindet sich auch Carmen, eine rassige und sinnliche Zigeunerin. Sie ist sich ihrer Anziehkraft bewusst, singt ein verführerisches Lied voll von Anspielungen, und läßt durchblicken, dass sie nicht an die Ewigkeit der Liebe glaubt. Don José gibt ihr keine Acht. Sie bemerkt seine Gleichgültigkeit, und wirft ihm herausfordernd unter dem allgemeinen Gelächter eine Blume zu. Empört über solche Frechheit, aber gleichzeitig auch beunruhigt, fängt er die Blume auf und versteckt sie instinktiv unter seiner Jacke.

Micaela kehrt zurück. Sie übergibt Don José einen Brief und Geld, und gibt ihm auch einen Kuss von seiner Mutter. Er ist gerührt und als Micaela sich entfernt, liest er den Brief: seine Mutter wünscht, er möchte dieses herzensgute Mädchen heiraten. Er verspricht sich selbst, dem Rat seiner Mutter zu folgen und ist dabei, die Blume der Zigeunerin wegzuwerfen, als unter den Tabakarbeiterinnen ein Streit ausbricht. Carmen hat eine Arbeiterin mit einem Messer verletzt. Don José wird beauftragt, sie festzunehmen und ins Gefängnis zu führen. Aber Carmen beginnt, ihn mit ihren angeborenen Verführungskünsten zu umgarnen: sie verspricht ihm eine heiße Liebesnacht in der Taverne von Lillas Pastia, nahe an der Stadtmauer von Sevilla. José, vollkommen in ihrem Bann, fällt in ihr Netz, löst die Fesseln, tut so als ob man ihm einen heftigen Ruck versetzt hätte und fällt zu Boden. Carmen flieht.

ZWEITER AKT

Die Taverne von Lillas Pastia, eine schmutzige Spelunke und Unterschlupf von Schmugglern, wirdauch von Soldaten und Zigeunern besucht. Mit ihren Freundinnen Mercédès und Frasquita, tanzt und singt Carmen mit verführerischen Gesten. Leutnant Zuniga teilt ihr mit, dass Don José, der im Gefängnis war, weil er ihr zur Flucht verholfen hat, gerade freigelassen worden ist. Auch er ist fasziniert von der Zigeunerin und beginnt ihr den Hof zu machen, wird aber durch die Ankunft Escamillos unterbrochen. Unter Beifall und Hochrufen erzählt der junge Torero von seinen kühnen Unternehmen in der Arena; auch er ist von der Schönheit Carmens fasziniert.

Nachdem alle Besucher die Spelunke verlassen haben, lässt der Wirt Dancairo und Remendado, zwei Schmuggler eintreten, die für die Nacht einen Schwarzhandel vorbereiten und die Unterstützung von Carmen und ihren Freundinnen suchen. Diesmal ist die Zigeunerin aber nicht bereit, ihnen zu folgen: sie wartet auf die Rückkehr des Mannes, in den sie verliebt ist. Kurz darauf erscheint Don José, der ihr seine Liebe beteuert. Carmen beginnt einen fesselnden, verlockenden Tanz für ihn, aber sobald man den Zapfenstreich hört , beeilt sich José, der zum einfachen Soldaten degradiert wurde, in die Kaserne zurück zu kehren. Sie erzürnt sich, verspottet und beleidigt ihn. Ihre Auffassung von Liebe ist etwas ganz anderes. Er eröffnet ihr sein Herz: trotz der Gewissenskonflikte, liebe er sie nun und lebe nur für sie.

Carmen fordert ihn auf, den Schmugglern zu folgen, ein freies Leben zu führen, er aber lehnt es ab, fahnenflüchtig zu werden und angesichts des x-ten Unverständnisses zwischen ihnen, entscheidet er, sie zu verlassen. In der Zwischenzeit kommt Zuniga hinzu, der zurückgekommen ist, um Carmen zu verführen. Sobald er Don José erblickt, befiehlt er ihm, zu verschwinden. Es entsteht ein heftiger Wortwechsel und José, der sich der Insubordination schuldig macht, bleibt keine Wahl: er muss sich den Schmugglern anschliessen und ein Leben als Bandit und Geächteter beginnen.

DRITTER AKT

In ihrem Lager in den Bergen ruhen sich die Schmuggler aus. Carmen und Don José wechseln wenige Worte, woraus ersichtlich ist, dass ihre Beziehung beeinträchtigt ist. Sie denkt an neue Abenteuer und will frei sein; er ist von Gewissensbissen seiner Mutter gegenüber geplagt und von Eifersucht übermannt. Frasquita und Mercédès legen die Karten aus: die Zukunft verheißt ihnen Glück. Auch Carmen befragt die Karten, aber in der Zukunft sieht sie den Tod für sich und Don José. Sie ist beunruhigt, sie weiss, dass der Mann verzweifelt ist und sie auch töten könnte; aber sie kennt keine Furcht und nimmt ihr Schicksal in Kauf.

Verängstigt und zitternd taucht Micaela auf: verzweifelt will sie versuchen, den Mann, den si liebt zur Vernunft zu bringen und macht sich Mut. Von weitem sieht sie auf einem Felsen Don José, der zur Warnung einen Gewehrschuss gegen einen Unbekannten abfeuert. Das Mädchen versteckt sich verängstigt und erschrocken, als Escamillo erscheint, der dem Schuss nur knapp entgangen ist. Der Torero ist gekommen, um die Zigeunerin anzutreffen, in die er verliebt ist. Nach einem kurzen Wortwechsel entdecken die beiden, dass sie Rivalen sind, ziehen ihre Messer heraus und nur die Ankunft Carmens und der Schmuggler vermeidet einen tödlichen Ausgang.

Escamillo lädt alle zur nächsten Corrida in Sevilla ein und geht. Die Schmugglerkarowane ist beim Abfahren als Micaela entdeckt wird. Sie fleht José an, ihr zu folgen, er läßt sich aber nicht dazu überreden: er weiss, dass Carmen die Gelegenheit nutzen würde, um eine Beziehung mit dem Torero zu beginnen. Als er aber erfährt, dass seine Mutter im Sterben liegt, folgt er Micaela von Schuldgefühlen geplagt. Vor seinem Abgang droht er Carmen: sie würden sich bald wiedersehen.

VIERTER AKT

Auf dem Platz vor der Arena in Sevilla drängt sich die Volksmenge in Erwartung des Stierkämpfers. Beim Entritt der “cuadrilla” ist der Enthusiasmus grenzenlos. Escamillo tritt mit Carmen an seiner Seite auf, sie strahlt und ist schöner als je zuvor. Bevor der Torero in die Arena tritt, schwört sie ihm, niemanden mehr zu lieben als ihn.

Unter der Volksmenge befindet sich auch Don José, und Frasquita, die ihn erkannt hat, warnt ihre Freundin: es wäre besser, sie würde sich entfernen. Carmen läßt sich aber nicht einschüchtern und behauptet keck, keine Angst vor ihm zu haben, ganz im Gegenteil, sie will sich ihm stellen.

Alle, ausser Carmen, treten in die Stierkampf-Arena ein. Don José kommt, er ist erschüttert und verstört, er demütigt sich, er sei bereit, alles zu tun, was sie wünsche, nur müsse sie zu ihm zurückkehren. Carmen läßt sich nicht erbarmen, ihr Wille ist unbeugbar und sie wendet sich an ihn mit Hochmut und Geringschätzung: sie liebe ihn nicht mehr und werde sich nie beugen, sie sei eine freie Natur und werde frei sterben. Der Ton ihrer Stimmen wird immer heftiger und schriller bis sie ihm mit einer Geste offener Herausforderung den Ring hinschmettert, den er ihr geschenkt hat.

Während in der Arena die Jubelrufe für den Sieg Escamillos zu hören sind, ersticht Don José Carmen ausser sich vor Wut und Frustration. Vor der aus der Arena strömenden Menschenmenge wirft er sich auf den leblosen Körper der Frau und ruft verzweifelt ihren Namen.

Carmen

Carmen
Anna Goryachova (22, 29/6 – 11, 17, 21/7 – 3, 9/8)
Carmen Topciu (6/7, 22, 25, 28, 31/8)
Geraldine Chauvet (12/8)

Micaela
Mariangela Sicilia (22, 29/6 – 6, 11/7)
Ruth Iniesta (17/7)
Serena Gamberoni (21/7 – 3, 9, 12/8)
Eleonora Buratto (22, 25, 28, 31/8)

Frasquita
Ruth Iniesta (22, 29/6 – 6, 11, 21/7 – 3, 9/8)
Barbara Massaro (17/7 – 12, 22, 25, 28, 31/8)

Mercédès
Arina Alexeeva (22, 29/6 – 6, 11, 17, 21/7 – 3, 9/8)
Clarissa Leonardi (12, 22, 25, 28, 31/8)

Don José
Brian Jagde (22, 29/6)
Walter Fraccaro (6, 11/7)
Francesco Meli (21/7 – 3, 9, 12/8)
Luciano Ganci (17/7 - 22/8)
Amadi Lagha (25, 28, 31/8)



Escamillo
Alexander Vinogradov (22/6 – 6, 11, 17, 21/7 – 3/8)
Gocha Abuladze (29/6)
Massimo Cavalletti (9, 12, 22, 25/8)

Alberto Gazale (28, 31/8)

Dancairo
Davide Fersini (22, 29/6 – 6, 11, 17, 21/7 – 3, 9, 12, 22/8)
Biagio Pizzuti (25, 28, 31/8)

Remendado
Enrico Casari (22, 29/6 – 6, 11, 17, 21/7)
Roberto Covatta (3, 9, 12, 22, 25, 28, 31/8)

Zuniga
Luca Dall’Amico (22, 29/6 – 9, 12, 22, 25, 28, 31/8)
Gianluca Breda (6, 11, 17, 21/7 – 3/8)

Moralès
Biagio Pizzuti (22/6 – 21/7 – 3, 9, 12, 22/8)
Nicolò Ceriani (29/6)

Gocha Abuladze (6, 11, 17/7 – 25, 28, 31/8)