Entgegen der verbreiteten Legende wurde die Oper weder anlässlich der Eröffnung des Suezkanals 1869 noch des neuen Opernhauses in Kairo, die damit verbunden war, in Auftrag gegeben (das Opernhaus wurde mit Verdis Rigoletto eröffnet). Verdi wurde zwar vom regierenden Khediven Ismail Pascha, der europäisch erzogen worden war, darum gebeten, ebenso wie von seinem Operndirektor, lehnte aber mehrfach ab.
Der Gründer der ägyptischen Antikenverwaltung, der in Kairo lebende Ägyptologe Auguste Mariette, verfiel auf die Idee, Verdis früherem Librettisten und Manager der Pariser Opéra-Comique, Camille du Locle, sein Libretto und seinen Entwurf eines Opernszenars zu senden. Er wollte dafür lediglich einen Brief an den Khediven von Ägypten, Ismail Pascha, in dem seine Anwesenheit in Paris gewünscht wurde.
Der Khedive gab in der Folge eine eigene Oper in ausschließlich ägyptischem Stil für das neue Theater in Auftrag. Obwohl Verdi seine Komposition bereits im November 1870 fertiggestellt hatte, konnte die Uraufführung erst am 24. Dezember 1871 in Kairo stattfinden, da die Kostüme und Requisiten infolge des Deutsch-Französischen Krieges (1870–1871) im von Preußen belagerten Paris eingeschlossen waren.
In einem Brief an seinen Freund Giuseppe Piroli schrieb Verdi am 16. Juli 1870:
„Eine Oper für Kairo komponieren!!! Puh! Ich gehe nicht hin, sie zu inszenieren, weil ich fürchten müsste, dort mumifiziert zu werden. Ich muss Euch jedoch sagen, dass der Vertrag noch nicht unterschrieben ist. Aber da meine Bedingungen – und die waren hart – telegrafisch akzeptiert worden sind, kann man ihn für abgeschlossen halten. Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, ‚du wirst für Kairo schreiben‘, hätte ich ihn für einen Verrückten gehalten, aber jetzt sehe ich ein, dass ich der Verrückte bin.“
Er forderte und bekam 150.000 Goldfranken, das bis dato wohl höchste Honorar für einen Komponisten.
ERSTER AKT
Die Äthiopier sind wieder in Ägypten eingefallen, um die dort als Gefangene am Hof lebende Tochter ihres Königs zu befreien. Diese liebt unerkannt Radames, der von den Priestern zum Feldherrn gegen die Eindringlinge bestimmt wird. Radames hofft, durch einen Sieg Aidas Hand erlangen zu können (Celeste Aida). Aber auch Amneris, die Königstochter, liebt den jungen Feldherrn und vermutet in Aida eine Rivalin (Vieni, o diletta, appresati). Ein Bote verkündet, dass die Äthiopier bereits nach Theben vorrücken, der König ernennt Radames zum Feldherrn. Während alle zum Tempel des Phta, des höchsten Gottes, eilen, um Radames feierlich das heilige Kriegsschwert zu überreichen, bleibt Aida verzweifelt allein und weiss nicht, wem sie den Sieg wünschen soll (Ritorna vincitor).
ZWEITER AKT
Amneris lässt sich von ihren Sklavinnen zum Empfang des Siegers Radames schmücken (Ah! vieni amor mio) und erfährt von Aida, die sie geschickt ausforscht, dass die Sklavin Radames liebt. Dann gibt sie sich als ihre Rivalin zu erkennen. Drohend befiehlt Amneris Aida, sie zum Triumphzug des Feldherrn zu begleiten (Fu la sorte dell' armi).
Radames wird vor den Toren Thebens von König, Priestern und Volk begeistert empfangen (Gloria all Egitto / Marcia trionfale), Amneris reicht ihm den Lorbeerkranz. Amonasro, der König von Äthiopien, befindet sich unter den vorbeiziehenden Gefangenen, aber nur Aida erkennt ihn. Amonasro, der sich als Offizier ausgibt, behauptet, der äthiopische König sei getötet worden und bittet mit seinen Kriegern um Gnade (Anch' io pugnai). Radames, durch die Tränen seiner Geliebten gerührt, erbittet vom König die Freilassung der Gefangenen. Ramphis und die Priester erheben Bedenken. Sie können schliesslich erreichen, dass Aida und Amonasro als Geiseln in Ägypten bleiben müssen. Der König verlobt seine Tochter mit Radames, das Volk jubelt.
DRITTER AKT
Am Ufer des Nils, einen Tag vor der Trauung mit Radames, begibt sich Amneris mit Ramphis in den Tempel, um Glück für ihre Liebe zu erflehen. In der Nähe wartet Aida auf ein heimliches Zusammentreffen mit Radames (Qui Radames verrà). Zuvor erscheint aber Amonasro und macht seiner Tochter Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat und auf eine Zukunft mit Radames (Rivedrai le foreste imbalsamate). Er kann sie überreden, von Radames den neuen ägyptischen Kriegsplan in Erfahrung zu bringen. Als sich Radames nähert, kann ihn Aida durch Klagen und Bitten zur Preisgabe des Kriegsplans und Flucht verleiten. Amonasro stürzt aus seinem Versteck und will mit beiden fliehen. Radames erkennt entsetzt, dass er sein Vaterland verraten hat. Amneris, die mit Ramphis den Tempel verlassen hat, belauscht den letzten Teil der Auseinandersetzung und hört, dass ihr Verlobter Heimat, Götter und sie selbst verriet. Sie ruft die Wachen. Amonasro, der sich mit dem Dolch auf Amneris stürzt, wehrt Radames ab. Aida und ihr Vater fliehen, Radames lässt sich widerstandslos festnehmen.
VIERTER AKT
Amneris ist verzweifelt: Ihre Rivalin ist entflohen, der Geliebte wurde des Landesverrats angeklagt und soll sich vor dem Gericht der Priester rechtfertigen (L' aborrita rivale a me sfuggia). Sie bietet Radames an, ihn zu retten, wenn er auf Aida verzichte. Dieser lehnt ab, weil ihm ein Leben ohne Aida undenkbar ist (Già i Sacerdoti adunansi). Er wird von den Priestern, weil er sich nicht verteidigen kann und will, verurteilt, lebend unter dem Tempel eingemauert zu werden. Umsonst versucht die verzweifelte Amneris, die Priester zur Milde zu bewegen.
Radames ist in einem Gewölbe des Phta-Tempels eingeschlossen worden, es gibt kein Entkommen (La fatal pietra sovra me si chiuse). Er denkt an Aida, da löst sich aus dem Dunkel ein Schatten: Aida hat sich unbemerkt in das Gebäude eingeschlichen, um mit dem Geliebten zusammen zu sterben. Beide nehmen Abschied vom Leben (O terra, addio), während oben im Tempel die Triumphgesänge der Priester ertönen, die sich mit den Bitten von Amneris, die dem Geliebten Frieden wünscht, vermischen.