Nabucco

Lyrisches Drama in 4 Akten
von Giuseppe Verdi
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KEINE WEITERE WIEDERHOLUNGEN
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Libretto von

Temistocle Solera

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Musik von

Giuseppe Verdi

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Dauer

3.30 Stunden ungefähr - Intervalle einsch.

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Arena di Verona

Diese Vorstellung fand in Opernsaison 2017 statt. Informationen über das Programm des kommenden Opernfestivals finden Sie unter folgendem Link

 

 

Am Freitag, 23. Juni  wird das 95. Opernfestival 2017 mit Giuseppe Verdis Nabucco in der Arena von Verona eröffnet. Verdis Drama wird an 12 Abenden, vom 23. Juni bis 26. August, in einer neuen Inszenierung unter der Regie von Arnaud Bernard und mit dem Bühnenbild von Alessandro Camera dargestellt

 

Musikalische Leitung
Daniel Oren (23, 29/6 - 7/7 - 4, 12, 18, 23, 26/8)
Jordi Bernàcer (12, 15, 18/7 - 9/8)

Regie und Kostüme Arnaud Bernard

Bühnenbild Alessandro Camera

Licht Paolo Mazzon

Leiter Bühneausstattung Giuseppe De Filippi Venezia

Chordirektor Vito Lombardi


Neue Inszenierung von Fondazione Arena di Verona

Orchester, Chor und Techniker der Arena di Verona

I Akt 50' - Intervalle - II Akt 35' - Intervalle – III Akt und IV Akt 70’

REGIENOTIZEN

von Arnaud Bernard

Als Franzose habe ich immer gedacht, dass das italienische Risorgimento eine der bedeutendsten, historischen, intellektuellen, populärsten Epochen der Geschichte Italiens war; ein Zeitalter, das von grossen Heldentaten, Opferbereitschaft, politischen Unruhen und Aufruhr in der Bevölkerung geprägt war; Anreger waren führende politische und intellektuelle Persönlichkeiten, deren Ziel die Vereinigung Italiens und die Freiheit des Volkes war.

Der Soundtrack dieser Epoche war gewiss das italienische Melodram und insbesondere Giuseppe Verdis Opern. Man könnte vielleicht sogar behaupten, dass Giuseppe Verdi im italienischen Risorgimento dem Filmusikkomponisten Ennio Morricone gleichzusetzen ist. Einer der Filme der mich am stärksten beeindruckt hat - und der mir seit dem ersten Mal schon als Junge in Erinnerung geblieben ist - ist Senso, ein Meisterwerk von Regisseur Luchino Visconti. Wie sicher die meisten wissen, beginnt die Filmhandlung im Theater La Fenice von Venedig während einer Vorstellung von Verdis Trovatore; unter dem Publikum befinden sich österreichische Soldaten und Offiziere, Männer und Frauen aus dem italienischen Volk, leidenschaftliche Patrioten, alle im Theater vereint, um der Aufführung beizuwohnen; aber dann entfacht ein besonders leidenschaftlicher und musikalisch mitreissender Anlass eine Aufruhr und eine Fülle von Flugblättern mit der italienischen Nationalfahne wird von der Galerie ins Parkett geworfen aus Protest gegen die Österreicher und ihre Herrschaft über das Königreich Lombardo-Venetien. Diese so schlagkräftige und bedeutungsvolle Szene hat meine Phantasie zu tiefst gezeichnet; ich konnte also der Versuchung nicht widerstehen, das italienische Risorgimento mit Verdis Oper zu verbinden, als man mir die Regie des Nabucco in der Arena von Verona angeboten hatte, einer Stadt, wo die Österreicher beinahe ein halbes Jahrhundert anwesend waren.

Das Melodram und die italienische Oper im allgemeinen stellen die Art der musikalischen und kulturellen Veranstaltung dar, die besser als alle anderen die Geschichte Italiens erzählt und beschreibt. Auch aus der literarischen Perspektive gesehen kann man die Entwicklung der Geschichte und der Sitten und Gebräuche des italienischen Volks anhand der unterschiedlichen kulturellen Zeitabschnitte und Phasen nachvollziehen.

Das Libretto von Nabucco wurde von Temistocle Solera, einem Librettisten und Komponisten aus dem 19. Jahrhundert geschrieben, der von Abenteuern und Patriotismus lebte und dessen Vater, Antonio Solera, Rechtsanwalt und Amtsrichter, 1820 zusammen mit anderen Karbonari aus dem Polesinegebiet wegen Verrats und Verschwörung von den Österreichern verhaftet und sogar zu Tode verurteilt wurde. In der Folge wurde das Urteil in zwanzig Jahre harter Haft im Gefängnis der Festung Spielberg umgewandelt. Es kann mit Sicherheit auch ein Zufall sein, aber es ist bedeutungsvoll dafür, wie sehr der Patriotismus und das italienische Risorgimento in der gesamten Bevölkerung verwurzelt und verzweigt waren und unterstützt wurden.

Der Nabucco, den ich gestalten wollte, ist ideell nach Mailand zur Zeit der Cinque Giornate (Aufstand im Maerz 1848 gegen die österreichische Herrschaft) versetzt, und dabei wollte ich eines der bedeutendsten Symbole weltweit der italienischen Musikkultur benutzen: das Theater La Scala.

Die Handlung spielt sich also rings um das Theater ab und zwar anlässlich einer Vorstellung des Nabucco, um zu unterstreichen, wie sehr Verdis Oper und Musik die Gemüter anfeuern und erregen konnten, weit mehr als Tausende von Aufrufen und Appellen.

In Mailand hat sich das italienische Risorgimento über die verschiedenen Bewegungen der von Giuseppe Mazzini inspirierten Karboneria verbreitet; in Mailand hat Alessandro Manzoni, ein Schriftsteller des Risorgimento, das Geschehen seines Romans I Promessi Sposi während der spanischen Herrschaft im 17. Jahrhundert verlegt, und auch in diesem groβen historischen Roman sind die Keime der Auflehnung vorhanden. Und Manzoni ist nicht zufällig von Giuseppe Verdi bewundert und verehrt worden, denn dieser hat ihm seine Messa da Requiem gewidmet.

Arnaud Bernard

ERSTER TEIL – Jerusalem

Jerusalem ist vom babylonischen König Nabucco umzingelt. Der Hohepriester Zaccaria ermutigt das hebräische Volk, das in Salomons Tempel Zufucht gefunden hat und versichert ihm, dass der Friede ausgehandelt werden kann: die Tochter des Feindes, Fenena, ist gefangen genommen worden. Zaccaria vertraut sie Ismaele, dem Neffen des Königs von Jerusalem an.

Der Hohepriester weiss aber nicht, dass sich die beiden jungen Leute seit längerer Zeit lieben. Als Ismaele Botschafter in Babylonien war, wurde er gefangen genommen und Fenena hatte ihn gerettet. Nun versucht er seine Geliebte zu befreien, wird aber von einer Horde, als Hebräer verkleidete babylonische Krieger aufgehalten; diese sind von der zweiten Tochter Nabuccos, Abigaille, angeführt, deren Hang zu List und Befehl sehr stark ist. Auch sie liebt Ismaele, betrachtet aber die Liebe mehr als politische Angelegenheit denn als ein Gefühl und somit auch als austauschbar. Sie beschuldigt den jungen Mann des Verrats und hält ihm vor, ihm für seine Liebe die Herrschaft über Babylonien angeboten zu haben. Sie sei aber bereit, auf eine Rache zu verzichten, wenn Ismaele Fenena verlasse. Er lehnt es ab, habe keine Furcht vor dem Tod, bitte nur um Mitleid für sein Volk.

Draussen tobt das Unheil. Weitere Hebräer flüchten in den Tempel. Als Nabucco dort eindringt, greift Zaccaria zu einer Notlösung: er droht, Fenena zu töten, aber Ismaele versperrt ihm den Weg und vertraut die junge Frau ihrem Vater an. Nabucco ordnet die Zerstörung des Tempels an.

ZWEITER TEIL – Der Frevler

Am Königshof Babylons findet Abigaille ein Dokument, das ihre wahre Herkunft verrät: sie sei nicht die Tochter Nabuccos, sondern eine adoptierte Sklavin. Der Oberpriester des Baal berichtet ihr, dass Fenena, vom Vater als Thronfolgerin ernannt, die hebräischen Gefangenen befreit habe und dass deshalb das babylonische Volk in Aufruhr sei. Er teilt ihr ausserdem seinen listigen Plan mit: er hat das Gerücht verbreitet, Nabucco sei im Kampfe gefallen, so dass das Volk sie zur Königin kröne. Von rasender Machtgier befallen, ist Abigaille zu allem bereit, um den Thron zu besteigen.

Zaccaria, Gefangener der Assyrer, betritt einen anderen Saal am Königshof, gefolgt von einem Leviten, der die Gesetzestafeln trägt: der Priester betet. Die Leviten verfluchen Ismaele wegen seines Verrats. Aber Anna, Zaccarias Schwester, verteidigt ihn: da sich Fenena zum Gotte Israels bekehrt hat, habe der junge Mann eine Hebräerin gerettet. Nun spitzt sich die Situation zu: Abigaille tritt ein und fordert die Krone von Fenena; unter allgemeinem Staunen erscheint auch der totgeglaubte Nabucco, stellt sich zwischen die beiden Stiefschwestern und bemächtigt sich der Krone. Er befiehlt beiden Völkern, sich vor ihm zu verneigen und ihn als Oberhaupt und Gott zu verehren. Aber ein göttlicher Blitzstrahl trifft ihn und verwandelt ihn in einen dem Wahnsinn verfallenen alten Mann. Abigaille rafft die Krone an sich und krönt sich zur Königin von Babylonien.

DRITTER TEIL - Die Prophezeiung

In den Hängegärten des Königspalastes nimmt Abigaille die Huldigungen ihres Volkes und der Ehrenträger entgegen. Der Oberpriester fordert die Königin auf, alle Hebräer und auch die bekehrte Fenena hinrichten zu lassen.

Hinzu kommt Nabucco, dessen Wahnsinnszustand offensichtlich erscheint; Abigaille nutzt diese Gelegenheit, und fordert ihn unter Einschüchterungen und Drohungen auf, das Todesurteil für die Hebräer zu unterzeichnen. Zu spät wird ihm in einem Augenblick geistiger Klarheit bewusst, dass sich auch Fenena zur jüdischen Religion bekehrt hatte. Abigaille trumpft böswillig auf, aber Nabucco, der inzwischen sein Gedächtnis zurückerlangt hat, befiehlt ihr, sich vor ihm niederzuwerfen, da sie Tochter einer Sklavin sei. Abigaille hat ihr Ziel erreicht: mit triumphierender Geste reisst sie das Dokument, das ihre wahre Herkunft bezeugt, an sich und zerreisst es in Stücke. Dann lässt sie Nabucco festnehmen, der sie anfleht, Fenena den Tod zu ersparen; mit seiner Vaterliebe gewinnt er somit wenigstens zum Teil seine Seelengrösse zurück, die er durch seine Gleichstellung mit Gott verloren hatte. Abigaille blickt schadenfroh und hämisch auf ihren gedemütigten und besiegten Adoptivvater.

Am Ufer des Euphrats beklagen die geketteten und zur Zwangsarbeit verurteilten Hebräer ihr Schicksal und denken mit Sehnsucht an das verlorene Vaterland. Zaccaria spricht seinem Volke Trost zu, er ermahnt, den Glauben nicht aufzugeben und prophezeit ihre Freilassung und den Untergang Babylons.

VIERTER TEIL – Das zerstörte Götzenbild

Nabucco erwacht aus seinem Alptraum. Von draussen erklingen Wehrufe und Klagen: die Menge weint um Fenena, die zur Henkerstätte geführt wird. Als Gefangener ist Nabucco machtlos. Er kniet sich hin, bittet den Gott der Hebräer um Vergebung für seine Überheblichkeit und verspricht, sich zu bekehren. Dank der göttlichen Gnade verlässt ihn der Wahnsinn. Er gewinnt seine geistige Klarheit zurück und findet die Kraft zur Auflehnung, fordert ein Schwert und befiehlt den ihm treu gebliebenen Kriegern, ihm zu folgen, um Assyrien zu rehabilitieren und Fenena zu befreien.

Aus den Hängegärten erklingt ein Trauermarsch, der die zum Tode verurteilten Hebräer begleitet. Zaccaria tröstet Fenena. Als Nabucco auf die Bühne tritt, stürzt das Götzenbild des Baal von allein in sich zusammen und die Gefangenen werden befreit. Nabucco bittet sie, in seinem Namen einen neuen Tempel auf den Ruinen des Tempels zu bauen, den er in Jerusalem vernichtet hatte. Abigaille wird sich bewusst, dass ihr Plan vereitelt ist, nimmt Gift zu sich und bittet nun sterbend Fenena und Jehova um Vergebung. Zaccaria gibt dem zum neuen Glauben bekehrten König seinen Segen.

NABUCCO
George Gagnidze (23, 29/6 - 7/7 - 23, 26/8)
Leonardo Lòpez Linares (12, 15, 18/7 - 4/8)
Boris Statsenko (9, 12, 18/8)

ISMAELE
Walter Fraccaro (23, 29/6 - 7/7)

Mikheil Sheshaberidze (12, 15, 18/7 - 4, 9/8 )
Rubens Pelizzari (12, 18, 23, 26/8)

ZACCARIA
Stanislav Trofimov (23, 29/6 - 7/7)
Rafał Siwek (12, 15, 18/7 - 23, 26/8)
In-Sung Sim (4, 9, 12, 18/8)

ABIGAILLE
Tatiana Melnychenko (23, 29/6 - 7/7)
Rebeka Lokar (12, 15, 18/7)
Anna Pirozzi (4, 9, 12/8 )
Susanna Branchini (18, 23, 26/8)

FENENA
Carmen Topciu
(23, 29/6 – 7, 12/7 – 4/8)
Anna Malavasi (15, 18/7)
Nino Surguladze (9, 12, 18, 23, 26/8)

OBERPRIESTER DES BAAL
Romano Dal Zovo (23, 29/6 – 7, 12, 15, 18/7)
Nicolò Ceriani (4, 9, 12, 18, 23, 26/8)

ABDALLO
Paolo Antognetti (23, 29/6 – 7/7 – 18, 23, 26/8)
Cristiano Olivieri (12, 15, 18/7 – 4, 9, 12/8)

ANNA
Madina Karbeli (23, 29/6 – 7, 12, 15, 18/7 – 4/8)
Elena Borin (9, 12, 18, 23, 26/8)