Carmen

Opéra-comique in 4 Akten
von Georges Bizet
Share
+
img/icon_libretto.png

Libretto von

Ludovic Halevy - Henri Meilhac

img/icon_music.png

Musik von

Georges Bizet

img/icon_map.png

Arena di Verona

Am 22. Juni wird das Opernfestival 2018 mit einer neuen Inszenierung von Carmen, Regie von Hugo de Ana, eröffnet. 

ERSTER AKT

Auf dem Marktplatz in Sevilla, in dessen Hintergrund sich eine Tabakwarenfabrik und die Kaserne der Dragoner erheben, herrscht munteres Treiben. Ein junges Mädchen bahnt sich den Weg durch die Volksmenge, verzagt nähert sich den Wachposten und fragt nach dem Unteroffizier Don José. Er würde bald seinen Dienst antreten, sagt man ihr; die Einladung, die Wartezeit mit den Wachposten zu verbringen, lehnt das Mädchen verschüchtert ab und entfernt sich.

Mit der Wachablösung erscheint die neue Kompanie mit Don José gefolgt von einer Schar von Gassenjungen, die den Marsch der Soldaten nachäffen. Man teilt ihm mit, dass ein junges Mädchen nach ihm gefragt habe und aus der Beschreibung seiner Kameraden erkennt er Micaela, eine Waisin, die seine Mutter in ihrem Haus aufgenommen hat.

Mit dem Glockengeläute richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Tabakarbeiterinnen, die aus der Tabakwarenfabrik strömen. Die Männer stürzen sich auf den Ausgang, um sie aus der Nähe zu bewundern, die Arbeiterinnen amüsieren sich, dass man ihnen den Hof macht. Unter ihnen befindet sich auch Carmen, eine rassige und sinnliche Zigeunerin. Sie ist sich ihrer Anziehkraft bewusst, singt ein verführerisches Lied voll von Anspielungen, und läßt durchblicken, dass sie nicht an die Ewigkeit der Liebe glaubt. Don José gibt ihr keine Acht. Sie bemerkt seine Gleichgültigkeit, und wirft ihm herausfordernd unter dem allgemeinen Gelächter eine Blume zu. Empört über solche Frechheit, aber gleichzeitig auch beunruhigt, fängt er die Blume auf und versteckt sie instinktiv unter seiner Jacke.

Micaela kehrt zurück. Sie übergibt Don José einen Brief und Geld, und gibt ihm auch einen Kuss von seiner Mutter. Er ist gerührt und als Micaela sich entfernt, liest er den Brief: seine Mutter wünscht, er möchte dieses herzensgute Mädchen heiraten. Er verspricht sich selbst, dem Rat seiner Mutter zu folgen und ist dabei, die Blume der Zigeunerin wegzuwerfen, als unter den Tabakarbeiterinnen ein Streit ausbricht. Carmen hat eine Arbeiterin mit einem Messer verletzt. Don José wird beauftragt, sie festzunehmen und ins Gefängnis zu führen. Aber Carmen beginnt, ihn mit ihren angeborenen Verführungskünsten zu umgarnen: sie verspricht ihm eine heiße Liebesnacht in der Taverne von Lillas Pastia, nahe an der Stadtmauer von Sevilla. José, vollkommen in ihrem Bann, fällt in ihr Netz, löst die Fesseln, tut so als ob man ihm einen heftigen Ruck versetzt hätte und fällt zu Boden. Carmen flieht.

ZWEITER AKT

Die Taverne von Lillas Pastia, eine schmutzige Spelunke und Unterschlupf von Schmugglern, wirdauch von Soldaten und Zigeunern besucht. Mit ihren Freundinnen Mercédès und Frasquita, tanzt und singt Carmen mit verführerischen Gesten. Leutnant Zuniga teilt ihr mit, dass Don José, der im Gefängnis war, weil er ihr zur Flucht verholfen hat, gerade freigelassen worden ist. Auch er ist fasziniert von der Zigeunerin und beginnt ihr den Hof zu machen, wird aber durch die Ankunft Escamillos unterbrochen. Unter Beifall und Hochrufen erzählt der junge Torero von seinen kühnen Unternehmen in der Arena; auch er ist von der Schönheit Carmens fasziniert.

Nachdem alle Besucher die Spelunke verlassen haben, lässt der Wirt Dancairo und Remendado, zwei Schmuggler eintreten, die für die Nacht einen Schwarzhandel vorbereiten und die Unterstützung von Carmen und ihren Freundinnen suchen. Diesmal ist die Zigeunerin aber nicht bereit, ihnen zu folgen: sie wartet auf die Rückkehr des Mannes, in den sie verliebt ist. Kurz darauf erscheint Don José, der ihr seine Liebe beteuert. Carmen beginnt einen fesselnden, verlockenden Tanz für ihn, aber sobald man den Zapfenstreich hört , beeilt sich José, der zum einfachen Soldaten degradiert wurde, in die Kaserne zurück zu kehren. Sie erzürnt sich, verspottet und beleidigt ihn. Ihre Auffassung von Liebe ist etwas ganz anderes. Er eröffnet ihr sein Herz: trotz der Gewissenskonflikte, liebe er sie nun und lebe nur für sie.

Carmen fordert ihn auf, den Schmugglern zu folgen, ein freies Leben zu führen, er aber lehnt es ab, fahnenflüchtig zu werden und angesichts des x-ten Unverständnisses zwischen ihnen, entscheidet er, sie zu verlassen. In der Zwischenzeit kommt Zuniga hinzu, der zurückgekommen ist, um Carmen zu verführen. Sobald er Don José erblickt, befiehlt er ihm, zu verschwinden. Es entsteht ein heftiger Wortwechsel und José, der sich der Insubordination schuldig macht, bleibt keine Wahl: er muss sich den Schmugglern anschliessen und ein Leben als Bandit und Geächteter beginnen.

DRITTER AKT

In ihrem Lager in den Bergen ruhen sich die Schmuggler aus. Carmen und Don José wechseln wenige Worte, woraus ersichtlich ist, dass ihre Beziehung beeinträchtigt ist. Sie denkt an neue Abenteuer und will frei sein; er ist von Gewissensbissen seiner Mutter gegenüber geplagt und von Eifersucht übermannt. Frasquita und Mercédès legen die Karten aus: die Zukunft verheißt ihnen Glück. Auch Carmen befragt die Karten, aber in der Zukunft sieht sie den Tod für sich und Don José. Sie ist beunruhigt, sie weiss, dass der Mann verzweifelt ist und sie auch töten könnte; aber sie kennt keine Furcht und nimmt ihr Schicksal in Kauf.

Verängstigt und zitternd taucht Micaela auf: verzweifelt will sie versuchen, den Mann, den si liebt zur Vernunft zu bringen und macht sich Mut. Von weitem sieht sie auf einem Felsen Don José, der zur Warnung einen Gewehrschuss gegen einen Unbekannten abfeuert. Das Mädchen versteckt sich verängstigt und erschrocken, als Escamillo erscheint, der dem Schuss nur knapp entgangen ist. Der Torero ist gekommen, um die Zigeunerin anzutreffen, in die er verliebt ist. Nach einem kurzen Wortwechsel entdecken die beiden, dass sie Rivalen sind, ziehen ihre Messer heraus und nur die Ankunft Carmens und der Schmuggler vermeidet einen tödlichen Ausgang.

Escamillo lädt alle zur nächsten Corrida in Sevilla ein und geht. Die Schmugglerkarowane ist beim Abfahren als Micaela entdeckt wird. Sie fleht José an, ihr zu folgen, er läßt sich aber nicht dazu überreden: er weiss, dass Carmen die Gelegenheit nutzen würde, um eine Beziehung mit dem Torero zu beginnen. Als er aber erfährt, dass seine Mutter im Sterben liegt, folgt er Micaela von Schuldgefühlen geplagt. Vor seinem Abgang droht er Carmen: sie würden sich bald wiedersehen.

VIERTER AKT

Auf dem Platz vor der Arena in Sevilla drängt sich die Volksmenge in Erwartung des Stierkämpfers. Beim Entritt der “cuadrilla” ist der Enthusiasmus grenzenlos. Escamillo tritt mit Carmen an seiner Seite auf, sie strahlt und ist schöner als je zuvor. Bevor der Torero in die Arena tritt, schwört sie ihm, niemanden mehr zu lieben als ihn.

Unter der Volksmenge befindet sich auch Don José, und Frasquita, die ihn erkannt hat, warnt ihre Freundin: es wäre besser, sie würde sich entfernen. Carmen läßt sich aber nicht einschüchtern und behauptet keck, keine Angst vor ihm zu haben, ganz im Gegenteil, sie will sich ihm stellen.

Alle, ausser Carmen, treten in die Stierkampf-Arena ein. Don José kommt, er ist erschüttert und verstört, er demütigt sich, er sei bereit, alles zu tun, was sie wünsche, nur müsse sie zu ihm zurückkehren. Carmen läßt sich nicht erbarmen, ihr Wille ist unbeugbar und sie wendet sich an ihn mit Hochmut und Geringschätzung: sie liebe ihn nicht mehr und werde sich nie beugen, sie sei eine freie Natur und werde frei sterben. Der Ton ihrer Stimmen wird immer heftiger und schriller bis sie ihm mit einer Geste offener Herausforderung den Ring hinschmettert, den er ihr geschenkt hat.

Während in der Arena die Jubelrufe für den Sieg Escamillos zu hören sind, ersticht Don José Carmen ausser sich vor Wut und Frustration. Vor der aus der Arena strömenden Menschenmenge wirft er sich auf den leblosen Körper der Frau und ruft verzweifelt ihren Namen.