Aida

Oper in 4 Akten
von Giuseppe Verdi
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Libretto von

Antonio Ghislanzoni

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Musik von

Giuseppe Verdi

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Arena di Verona

Am 23. Juni 2018, die erste der insgesamt 16 Vorstellungen der “Königin” unter den Opern in der Arena von Verona, Aida, mit der großartigen Inszenierung von Franco Zeffirelli  und den faszinierenden Kostümen von Anna Anni.

 

 

ERSTER AKT

Kriegswinde wehen um Memphis. Ramphis, Oberhaupt der Priester und okkulter Machtträger des ägyptischen Staats, informiert Radames, Hauptmann der Garde, dass die Äthiopier im Begriffe sind, in Ägypten einzudringen. Die Aussicht auf einen Krieg reizt den Ehrgeiz des Radames. Der junge Hauptmann hofft, dass die Göttin Isis ihn zum obersten Befehlshaber des ägyptischen Heers ernennt. Er ist wagemutig und kühn, träumt vom Siegesruhm und nichts scheint ihm unerreichbar. Den Krieg nimmt er auch als Gelegenheit wahr, um vor den Augen der Frau, die er heimlich liebt, Aida, einer äthiopischen Sklavin im Dienste der Pharaonentochter Amneris, als tapferer Kämpfer aufzutreten.

Aber auch die ägyptische Prinzessin Amneris ist in Radames verliebt, und intuitiv sieht sie in der Sklavin Aida eine Rivalin, aber sie zieht es vor, ihre Eifersucht unter listiger Heuchelei zu verbergen. Aida, hingegen, ringt zwischen der Beängstigung um ihr Vaterland und der Zuneigung für ihre neue Welt.

Mit einigen Fanfarenstössen wird eine grandiose Chorszene eingeleitet, die aber von individuellem Streben und inneren Konflikten überragt wird. Die Machthaber Ägyptens müssen Kriegsentscheidungen treffen. Der König und Ramphis zeigen sich als charakterlose Menschen, als Verkörperung einer Macht, die jeglichen Widerstand erbarmungslos niederschlägt.

Nachdem ein Bote den Einfall der Äthiopier unter der Führung von König Amonasro bestätigt hat, kündigt der Pharao an, dass das Orakel Radames zum obersten Befehlshaber gewählt habe. Im allgemeinen Begeisterungstaumel spornen alle Radames an, als Sieger zurückzukehren. Aida ist allein zurückgeblieben und fühlt sich zwischen gegensätzlichen, unvereinbaren Leidenschaften hin- und hergerissen: einerseits wünscht sie sich den Sieg von Radames und andererseits hofft sie gleichzeitig, dass Amonasro, ihr Vater, die ägyptischen Truppen vernichtet. Verzweifelt, voll von unterdrückter Angst, vertraut sie sich im Gebet dem Erbarmen der Götter an.

Der Kriegsausbruch wird mit einem Investiturritus im Tempel des Gottes Vulcanus gefeiert. Mit der Umrahmung von Gesang und Tänzen wird auf das Haupt von Radames ein silberner Schleier gebreitet, während Ramphis ihm das geweihte Schwert überreicht. Der Krieg umgibt sich mit Heiligkeit, um gerecht zu wirken und sein Zerstörungspotential auszubauen.

ZWEITER AKT

In ihren Gemächern bereitet sich Amneris auf die Triumphfeiern für den Sieg von Radames vor. Sie führt das ambivalente Spiel mit Aida listig weiter; mit wohlwollendem Gebaren lenkt sie das Gespräch auf das Argument, das ihr am meisten am Herzen liegt, um somit die Gefühle ihrer Sklavin auf die Probe zu stellen: Radames – sagt sie so nebenbei mit einstudierter Gleichgültigkeit – sei im Kriege gefallen. Die Verzweiflung Aidas wandelt ihren Verdacht in Gewissheit. Amneris enthüllt nun ihre List und nimmt die Maske ab: Radames lebe und auch sie sei in ihn verliebt. Wütend droht die Tochter des Pharao sich zu rächen.

Die Chorszene nimmt wieder Oberhand über das individuelle Geschick. Märsche und Tänze, Hymnen und Fanfaren empfangen in Theben das siegreiche Heer. Am Ende des triumphalen Siegeszugs hält Radames seinen Einzug. Der König verspricht, ihm jeglichen Wunsch zu erfüllen. Auch die äthiopischen Kriegsgefangegen marschieren im Siegeszug; Aida erkennt ihren Vater Amonasro, der sich als einfacher Offizier ausgibt und um Gnade für die Geiseln bittet. Ramphis fordert alle auf, keinerlei Mitleid zu haben, während Radames für das Leben und die Freiheit der Besiegten bittet. Der König ist zu einem Kompromiss bereit: Aida und Amonasro müssen als Friedenspfand in Ägypten bleiben, alle anderen Gefangenen werden befreit. Anschliessend wird die Vermählung zwischen dem ruhmreichen Sieger und Amneris verkündet. Im allgemeinen Jubel sinnt Amonasro nach Rache, Aida und Radames sind verzweifelt. Keinerlei Aussöhnung ist möglich zwischen individuellen Liebesbeteuerungen und starken Massengefühlen, die im Rahmen einer fanatischen Ritualität angefeuert und manipuliert werden.

DRITTER AKT

Nachts am Ufer des Nils: Amneris tritt in den Tempel der Göttin Iris, um am Vorabend ihrer Vermählung zu beten. Auch Aida trifft dort ein, sie hat ein Rendezvous mit Radames. Voller Unruhe und Sehnsucht preist sie die Weiten ihrer entfernten Heimat, singt von ihrer Liebe für das verlorene Vaterland, Symbol eines versprochenen und entschwundenen Glücks.

Unerwartet erscheint Amonasro, der einen hinterhältigen Angriff auf das ägyptische Heer plant. Er ist sich der Liebesbeziehung zwischen Aida und Radames bewusst geworden und nutzt die Gefühle seiner Tochter für seine strategischen Kalküle aus. Mit trügerischer Zärtlichkeit verspricht er ihr die Rückkehr ins Vaterland, Ruhm und Liebe. Aber zu einer Bedingung: sie müsse Radames das Geheimnis über den Weg entlocken, den die ägyptischen Truppen einschlagen werden. Aida versucht, sich dieser Forderung zu widersetzen, aber der Fluch ihres Vaters und die Schuldgefühle im Falle eines Blutbads ihres Volkes führen sie dazu, nachzugeben. Hörig gemacht, trifft sich Aida mit ihrem Geliebten und versucht ihn zu überreden, dass der einzige mögliche Ausweg eine Flucht sei. Es gelingt ihr, ihn mit ihrem Reiz und ihrer Anmut zu überzeugen. Radames enthüllt die von Amonasro erhoffte militärische Auskunft. Der äthiopische König tritt nun aus seinem Versteck und gibt seine wahre Identität preis, wobei er alles vereitelt.

Die Ereignisse überstürzen sich. Amneris tritt aus dem Tempel und enttarnt den Verrat. Amonasro stürzt sich auf sie, um sie zu töten, aber Radames hindert ihn daran, händigt sein Schwert Ramphis aus und lässt sich abführen.

Aida flüchtet mit ihrem Vater. Ihr Liebestraum hat sich für ewig am Ufer des Nils zerschlagen.

VIERTER AKT

In einem Saal des Königspalasts: Amneris ist verzweifelt. In ihrem Hochmut verletzt, ringt sie zwischen Wut und Liebe, zwischen dem Wunsch, Radames zu retten und ihn zu vernichten. Am Ende entscheidet sie, ihn zu retten. Sie lässt ihn rufen und fleht ihn an, sich zu rechtfertigen; sie wird den König um Begnadigung bitten.

Radames lehnt ab, beteuert, ohne jegliche Absicht verraten zu haben, und nach dem Verlust Aidas, den Tod vorzuziehen. Er widersteht den Schmeicheleien von Amneris, auch wenn sie ihm verrät, dass Aida noch am Leben sei und ihm die Rettung verspricht, wenn er auf die Liebe ihrer Sklavin verzichte.

Radames wird in den Kerker zurückgeführt, die Priester begeben sich dorthin zur Urteilssprechung. In der Ferne kann man die Anschuldigungen von König Ramphis hören, auf die das Schweigen des Beschuldigten und die Schmähungen der allerheiligsten Diener der Götter folgen. Das Urteil läßt nicht auf sich warten: Radames ist dazu verurteilt, lebendig begraben zu werden. Erfolglos sind die Verfluchungen von Amneris angesichts der Grausamkeit der Priesterkaste, die in Wirklichkeit die Macht inne hat. Nicht einmal die Königstochter ist imstande, sich der Unterdrückung des Staates, den maß- und zügellosen Grausamkeiten der Militär- und Religionskasten zu widersetzen.

Im Tempel des Vulcanus schliessen die Priester Radames in die Grabesgruft. Dort erwartet ihn Aida, die sich heimlich dorthin geschlichen hat, um mit dem Mann, den sie liebt, zu sterben. Er ist verzweifelt, sie sieht, wie sich der Todesengel und somit die ewigen Wonnen nähern. In dem von Licht überfluteten Tempel fleht die besiegte Amneris um Frieden: ein einziger dumpfer Ton, der sich wiederholt. In der unterirdischen Dunkelheit ihres Grabes sind Aida und Radames in den Glanz und Schimmer der Musik getaucht: die Ankündigung einer überirdischen Welt, wo das auf der Erde verweigerte Glück wahr wird.